Leibnıꜩstraße

Berlin-Charlottenburg, 16. April 2026 (Foto: Michael Bienert)

Schilda in Charlottenburg

Im April 2026 ist auf Straßenschildern an der Charlottenburger Leibnizstraße, Ecke Bismarckstraße, ein Name aufgetaucht, den es gar nicht gibt: „Leibnıꜩstraße“. Schaut jedoch sehr nach Berlin aus mit dem punktlosen „ı“, das aus dem Türkischen eingewandert ist und wie das unbetonte „e“ in „Bitte“ ausgesprochen wird. „Leibnıtzstraße“ klingt also ungefähr wie „Leibnätzstraße“. Sehr berlinisch ist auch das Sonderzeichen „ꜩ“, die Verbindung von „t“ und „z“ durch eine Ligatur. Kennt man sonst nur vom „ß“, das aus der Verschmelzung von „s“ und „z“ hervorgegangen ist. Auf Berlins Straßenschildern aber ist es gesetzt, dass ein Platz als „Plaꜩ“ in der Schriftart Erbar Grotesk erscheint.

Das stiftet ein Heimatgefühl, ohne die typographischen Finessen würde einem etwas fehlen. Ich denke: Vielleicht hatte hier der kürzlich verstorbene Maler Matthias Koeppel sein Hand im Spiel, einst Professor an der Technischen Universität, nicht weit von der Straßenkreuzung. Koeppel war der Erfinder des „Starckdeutschen“. Ein Wink aus dem Jenseits: Zwei Ligaturen auf einem Charlottenburger Straßenschild, das fühlt sich doch viel richtiger und peppiger an als bloß eine! Der Philosoph Leibniz hätte es verziehen: Zu seinen Lebzeiten kursierten allerlei Schreibweisen seines Namens (z. B. Leibnitzius) und sein Vater wird bis heute unter dem Namen Friedrich Leibnütz (oder Leibnitz) geführt.