Blog as you can (2)

Der Karl Scheffler schreibt seinen Erinnerungen, er habe das „Herumsitzen in Cafés nie geliebt“ (104), sei aber dennoch häufig im Romanischen Café gewesen, um in seiner Eigenschaft als Chefredakteur der Zeitschrift „Kunst und Künstler“ mit Max Slevogt und beider Verleger Bruno Cassirer zusammenzuarbeiten.

Die verklärende Wirkung des elektrischen Lichts und insbesondere der Lichtreklame um die Gedächtniskirche wird in vielen Texten der Zeit hervorgehoben und das Romanische Café trug das Seinige zum Nachtglanz bei. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1901 wurde es durch elektrisches Licht illuminiert. In seiner Glanzzeit, zwischen 1920 und 1933 war es bis drei Uhr morgens geöffnet, gehörte also zu den Lokalen, die die Nacht um die Gedächtniskirche zum Tag machten. Wenn man bedenkt, dass bereits um acht Uhr wieder geöffnet wurde und in den fünf Stunden Schließzeit abgerechnet, geputzt und geräumt wurde, kann man fast von einem 24-Stunden-Betrieb sprechen.

Das Romanische Café strahlte auch in den Stadtraum aus: In den frühen 1920er-Jahren wurden große Leuchtbuchstaben auf das Terrassendach aufgesetzt und 1933 durch eine moderne blau-rote Neonreklame abgelöst. Die Bemühungen, die Ecktürme als lukrative Werbeflächen für Lichtreklame zu vermieten, scheiterten allerdings. Vielleicht, weil die Konkurrenz zu groß war: auf der anderen Seite der Gedächtniskirche durch den Einzug des Gloria-Palasts ins Romanische Haus I und an der ehemaligen Zoomauer durch das langgestreckte „Haus am Zoo“ mit dem „Capitol“-Kino von Hans Poelzig (dort steht heute das Bikini-Haus). Auf einem Foto von 1928 sieht man den wunderbaren Widerschein der Lichtarchitektur auf dem nassen Asphalt vor dem Romanischen Café, aber auch den Hinweis, dass noch immer nicht alle Reklameflächen an dem Gebäude vermietet waren. Die neoromanische Architektur der unbeleuchteten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche erschien durch das Lichtgewitter ringsum in ein magisches Licht getaucht und wirkte nun erst recht wie ein Relikt des Mittelalters. Dieses Motiv findet sich auch schon auf dem Titelblatt zu einer Revue von Rudolf Nelson im Jahr 1927. Nebenan leuchteten der Ufa-Palast am Zoo (dort wo heute der Zoo-Palast steht) und zwischen dem Kino und dem Haus am Zoo ab 1928 der Gourmenia-Palast des Architekten Leo Nachtlicht, was unser Ausstellunsgteam besonders fasziniert, weil die

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